Dienstag, 26. Juni 2012

Eine gewöhnliche Geschichte

Ich wache auf.
Fahles Sonnenlicht dringt in meine Augen.
Es ist kalt.
Langsam sehe ich mich um. Ich sitze zusammengesunken in einem Betonkorridor. Links von mit verliert er sich in der Ferne, verschwindet gänzlich in der Unendlichkeit. Rechts von mir mündet mein Korridor in einen anderen.
Wo bin ich?
Irgendetwas stimmt hier nicht, alles ist so … unwirklich.
Ich sehe nach oben. Da, wo eine Decke sein sollte, ist nichts. Sehr weit oben sieht man einen streifen blassen, staubigen Lichts, eingerahmt von der unendlichen Enge des Betons.
Ich presse mich an die Wand und blicke starr nach oben. Plötzlich wandelt sich die Wand in eine graue Fläche, auf der das Nichts regiert. Was herrscht hinter dem Horizont? Ich versuche aufzustehen und loszulaufen. Aber bei dem Versuch schlage ich nur hart auf dem Boden des Korridors auf.
Ich sitze noch eine Weile benommen auf dem kalten Steinboden. Dann raffe ich mich auf. Ich kann nicht ewig hier sitzen bleiben. Mir ist kalt. Ich will hier raus.
Also mache ich mich auf den Weg, über mir die Unendlichkeit, an den Seiten die Enge. Ich entscheide mich für rechts, dann wieder für rechts. Wieder nur eine schmale Flucht in die Unendlichkeit, bis die Mauern sie zerquetschen.
Ich trotte weiter durch meine gelenkte Unendlichkeit, vorbei an schmalen und breiten Abzweigungen, über staubigen Boden. Manchmal biege ich ab, einfach so, in der Hoffnung, endlich den Weg in die erlösende Freiheit gefunden zu haben. Aber immer wieder werde ich enttäuscht, immer wieder bietet sich mir die selbe staubige, graue Ausweglosigkeit. Vielleicht war ich schon auf dem Weg nach draußen und bin nur nicht lange genug gelaufen.
Panik!
Von diesem Gedanken zerquält laufe ich schneller, falle aber bald wieder in meinen Trott zurück, um weiter zu suchen.
Ich weiß nicht, wie lange das schon so geht. Ich will es auch nicht wissen. Längst sind die hohen Mauern zu meinen unerbittlichen Wächtern geworden, die mir niemals von der Seite weichen. Aber irgendwann stumpfe ich auch dagegen ab. Ich ermahne mich zwar immer wieder, mich nicht mit ihnen abzufinden, aber immer wieder werde ich von ihrer grauen Macht erdrückt.
Irgendwann kann ich nicht mehr, will einfach nicht mehr ziellos umherirren. So lasse ich mich völlig erschöpft auf den staubigen Boden sinken und hoffe, dass ich am nächsten Morgen woanders aufwache, als in dieser schrecklich grauen Ödnis.

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