Mittwoch, 27. Juni 2012

Island 2005 - Teil 1

Zu Fuß quer durch Island? Ja, das geht. Irgendeine große Tour sollte es nach meinem Studium sein. Die bekannten Ziele schossen mir als erstes durch den Kopf, bis ich irgendwann vor einem Globus stand und mir dachte: „Warum eigentlich nicht…“ Mein zweiter Gedanke schien mir deutlich realistischer: „Du hast doch einen an der Waffel!“ Und spätestens ab dem dritten Gedanken war es dann um mich geschehen: die Sprengisandur-Strecke sollte es werden, mit ein paar kleinen Veränderungen.
Nach einem kurzen Kartenstudium stand die Strecke dann fest. Startpunkt des Fußweges würde im Süden der Skogafoss sein, Ziel im Norden die Stadt Akureyri. Ach ja, und irgendwo habe ich noch aufgeschnappt, dass Grimsey der einzige Punkt Islands sei, der über dem Polarkreis liegt. Keine Frage, da wollte ich auch noch hin.

Meine Route (powered by open streetmap)

Das wars dann aber auch schon mit Kartenstudium, denn außer einer Übersichtskarte in sehr großem Maßstab war in Deutschland nichts zu bekommen. Aber fünf Wochen Zeit würden ja wohl ausreichen.
Ich rechnete mit dreieinhalb Wochen Laufen, so dass die Firmen Power-Bar und Trekkingmahlzeiten in mir im Frühsommer 2005 einen guten Kunden fanden. Als Tagesration legte ich eine Packung Panzerplatten, einen Powerbar und eine doppelte Portion Tütennahrung fest.
Aus meinem Urunvertrauen heraus entschied ich mich, den Proviant für drei Wochen zu schleppen, was in etwa 35 Kilo Gepäck mündete.
Allen, die etwas ähnliches in Island vorhaben, sei gesagt: Das Postbuswesen in Island funktioniert hervorragend. Es empfiehlt sich, das Essen etappenweise in Packsäcke zu verstauen und mit einem netten Brief zusammen an die nächste Hütte zu schicken. Erspart einem eine übelste Schlepperei und gibt einem ein wenig Sicherheit, weil ja jemand weiß, wann man ungefähr wo aufschlagen sollte.
Egal, es geht auch so. Wasser gibt es übrigens selbst im Sprengisandrur genügend, und solche Sachen wie Desinfektionstabletten kann man getrost zu Hause lassen. Tasse in den Bach halten reicht vollkommen und schmeckt großartig.
Als Kamera dient mir übrigens eine kleine Minox 35. Die ist federleicht, sehr robust und braucht so gut wie überhaupt keinen Strom.

10.07.2005
Abflug ab Düsseldorf mit LTU nach Keflavik, dem internationalen Flughafen Islands. Die Fertignahrung sollte man nicht versuchen, am Zoll vorbei zu schmuggeln. Das bisschen Zoll ist den Ärger nicht wert, wenn man erwischt wird, und es ist immer noch billiger, sein Zeug mitzubringen, als es in Reykjavik zu kaufen. (was übrigens problemlos möglich ist)
Gleich in meiner ersten Nacht kann ich mich vom tadellosen isländischen Busservice überzeugen. Mitten in der Nacht gibt es Busse im 15-Minutentakt Richtung Reykjavik, um dort den Busbahnhof, die großen Hotels und schließlich Jugendherberge und Zeltplatz anzufahren.
Gegen 2.00 Uhr nachts steht mein Zelt auf dem Platz im Norden von Reykjavik, gleich neben dem Fußballstadion und einem Freibad.
Ich vergaß zu erwähnen, dass es in Strömen geregnet hat.

11.07.2005
Heute gibt es eine ausführlichste Wässerung im Freibad und eine kleine Besichtigungstour in Reykjavik. Nett aber fürchterlich verregnet. Egal, morgen würde es los gehen.
Karten erhält man übrigens im Maßstab 1:200.000 (reicht zum gehen aus, auch wenns nicht so klingt) in den Buchhandlungen der Stadt, oder beim großen Trekkingladen. Einfach mal in der Jugendherberge oder auf dem Zeltplatz nachfragen.

12.07.2005
Abfahrt mit dem Bus zum Skogafoss morgens um 8.30 vom Busbahnhof, Ankunft so gegen 11.00. Das Abenteuer kann beginnen.



Es ist zwar noch bewölkt, aber es regnet nicht mehr. Völlig gebannt schaue ich auf den Skogafoss und suche den Weg. Ach da, rechts vom Wasserfall, die Stufen. So schnell wie möglich mache ich mich auf den Weg. Irgendwie habe ich die wohlbekannten Hummeln an markanter Stelle sitzen.
Der Weg schlängelt sich immer am Bach entlang, die Landschaft wird immer atemberaubender. Wasser, Lava und Nebel.



Aber irgendwann fordert der Flug und der schnelle Aufbruch seinen Tribut. Gegen 15.00 baue ich mein Zelt auf und bin völlig erschlagen. Eigentlich wollte ich bis zur Passhöhe und dort in der Hütte übernachten. Egal, hier am Bach ist es auch schön und ich habe meine Ruhe.
Mein Zuhase für die nächsten Wochen

13.07.2005
7.45, die Sonne brennt – noch nicht ganz, aber abwarten. Bestens ausgeruht und frisch befrühstückt mache ich mich auf den Weg zum Pass. Irgendwann wechselt der Weg das Flussufer über ein kleines Brückchen und trifft dann auf einen Fahrweg, der zum Pass hinauf führt.
Besonders beeindruckend ist die plötzliche Stille, nachdem gestern und heute morgen der Fluss einen allgegenwärtigen Lärm veranstaltet hat. Hier oben ist dann nichts mehr, nur noch meine Schritte und mein eigenes Atmen. Rechts und links tauchen die beiden Gletscher Myrdalsjökull und Eyjafjallajökul durch die Wolken auf.
Schließlich bekomme ich meinen Sonnenschein doch noch und erreiche zum Mittagessen bei blauestem Himmel die Hütte, auf der es übrigens Gas gibt. Für meine Mahlzeit benutze ich meinen eigenen Benzinkocher, um niemandem das Gas wegzunehmen.

Frisch gestärkt mache ich mich auf durch das Schneefeld, in dessen Mitte urplötzlich aus dem Nebel, der inzwischen wieder heraufgezogen war, ein See auftaucht. Der Weg führt sehr gut markiert drumherum, um anschließend durch ein wüst zerklüftetes Lavagebirge ins ƥorsmörk abzusteigen.


Nebel, Schnee und Asche

Irgendwo auf einem durchweichten Lavaabhang hats mich dann langgelegt, was zu kleineren Kratzern und zu leichten Verlusten in der Dichtigkeit meiner Regenhose führte. Noch mal Glück gehabt, denke ich und marschiere weiter. Aber viel schlimmere Schäden kann ich erst im Tal an der Basar-Hütte feststellen. Mein Mobiltelefon ist im Eimer und die Benzinleitung vom Kocher hats ebenfalls zerrissen. Scheiße, die ist mit Bordmitteln nicht mehr zu flicken. Es gibt nur eins, ich muss zurück, denn Kocher gibt’s nur in der Hauptstadt.
Ich lasse also mein schweres Gepäck beim Hüttenwart, schenke ihm als Dank meinen Liter Benzin und nehme am nächsten Tag mit leichtem Gepäck einen Bus zurück nach Reykjavik.
Auch wer nicht laufen möchte, sollte sich mal das Vergnügen einer Busfahrt zwischen ƥorsmörk und Reykjavik gönnen. Was bei uns als reißender Fluß durchgeht, scheint für Isländische Busfahrer eine gut ausgebaute Straße zu sein. Beeindruckend!



14.07. bis 16.07.2005
Die nächsten Tage verbringe ich in Reykjavik, kaufe mir einen Gaskocher, lümmele im Schwimmbad herum und freue mich auf den zweiten Teil meiner Reise.

P.S.: Ich empfehle übrigens Gaskocher für Islandreisen, nicht nur weil mein Benzinkocher mich verlassen hat, sondern auch wegen der Lava, die sich überall hinsetzt. Auch in die Benzinleitung eines Kochers. Außerdem kann man am Campingplatz in Reykjavik halbleere Gaskartuschen mit Schraubgewinde abgreifen. Die werden dort stehen gelassen, weil man sie nicht mit in den Flieger nehmen darf.

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