Mittwoch, 27. Juni 2012

Island 2005 - Teil 2

16.07.2005
So, irgendwie fühle ich mich ruhiger und ausgeglichener. Zeit für einen zweiten Anfang der Tour. Ich wollte wohl doch zu schnell zu viel.
Aus einem führenden amerikanischen Schnellrestaurant in Reykjavik habe ich mir übrigens kostenlos ein paar Ketchuptüten mitgenommen. Da soll mir keiner sagen, das sei keine gastrosohpische Verfeinerung meines Speiseplans: Jeden zweiten Tag eine Tüte Ketchup zusätzlich.
Nachdem ich also mein Zeug wieder zusammengepackt habe, übernachte ich nur ein paar Meter weiter an einer zweiten Hütte im ƥorsmörk. Vorteil: Ich habe den Fluss am Ende des Tages durchquert und nicht am Anfag des nächsten. Es regnet wieder, aber ich freue mich auf morgen.

17.07.2005
Auffahrt auf die Autobahn nach Landmannalaugar, oder so ähnlich. Die Strecke ist wunderschön, führt zu Anfang durch einen Birkenwald. Doch von vorne herein ist klar. Besser ausbauen kann man einen Pfad nicht.



Spätestens als sich die Lavafelder vor mir auftun ist klar, eine Karte brauche ich nicht. Der Weg ist klar, und eine ungefähre Laufzeit kann man bei den entgegenkommenden Wanderern erfragen.



An dieser Stelle sei mir ein Hinweis an alle Erlaubt, die nur die Strecke Landmannalaugar – ƥorsmörk laufen wollen:
Landmanalaugar kann unter Umständen sehr überlaufen sein. Im ƥorsmörk ist alles eine Nummer ruhiger. Mir war bei der Ankunft in Landmannalaugar zu viel Rummel, Hotpot hin, Infrastruktur her. Allerdings: Wer in Landmannalaugar anfängt, läuft einen Tag den Berg hoch, und dann fast nur noch sanft bergab. Anderherum steigt die Strecke die meiste Zeit ganz leicht an, um dann nach Landmannalaugar runterzufallen. Geschmackssache…



Gegen Nachmittag komme ich an der Hütte Botnar an. Hier lohnt sich ein kleiner Abendspaziergang, bei dem man sehr gut sehen kann, was Wasser mit Lava so alles anstellen kann. Die Hüttenwärtin weiß Bescheid, wo es zur Schlucht geht. Wunderschön, einfach nur daliegen, durch die Gegend schauen und singen. Singen? Ja singen, ich trau mich ja sonst nicht, aber an dieser Schlucht geht´s nicht anders.



18.07.2005
Die Strecke zum Alvtavatn führt Anfangs durch Sand, Sand, Sand und Sand. Ach so und Sand liegt auch noch rum. In den verschiedensten Brauntönen unter strahlendem Sonnenschein. Auf der Strecke gibt es auch den ersten Fluß zu durchqueren. Die Flussufer Islands sind die reinsten Oasen. Selbst wenn man vorher stundenlang durch Sand und Lava gelaufen ist, ein Bach bringt Abkühlung, ein weiches grünes Polster und in manchen Fällen auch eine Menge Spaß. Jedem, der weiter will, bleibt nichts anders übrig, als Schuhe aus, Hose aus und durchwaten (eiskalt).
Die Strecke zieht sich dann noch um ein paar Hügel herum zur Hütte am Alvtavatn. Der Platz liegt traumhaft, aber auch sehr offen. Bei einem abendlichen Sandsturm muss mein Zelt zum ersten mal beweisen, was es kann.

19.07.2005
Der nächste Tag beginnt nach einem kurzen Anwärmen mit einer weiteren Flußdurchquerung gleich mal senkrecht die Wand hoch. Aber der Anblick von Oben entschädigt für alles.



Hinter dem Pass ändert sich die Landschaft schlagartig. Kleine Hügelchen aus denen heißer Dampf kriecht wechseln sich ab mit schneegefüllten Tälern, in die man mehr reinrutscht als runterläuft. Über allem liegt das, was eine Dänin am Abend den „eggy smell“ nennt, ein schwefliger Geruch, der sich wirklich an jedem Kleidungsstück festsetzt.
Die Hütte Hranftinnusker sieht man schon gegen Mittag, aber es gilt noch ein paar Stunden durch diesen welligen Schwefelsand zu laufen.
Die Hütte liegt ein paar Meter unterhalb des Passes und bietet bei gutem Wetter einen Ausblick auf die komplette zurückgelegte Strecke.
Der Platz selbst ist zwar steinig und windig, aber es gibt Steinringe, innerhalb derer es eben und windgeschützt ist.





20.07.2005
Landmannalaugar! Mir ist es zu voll. Aber es gibt einen natürlichen Hotpot, in dem ich mich stundenlang rumlümmele, und man kann Leute treffen, um Informationen über die kommende Strecke einzuholen und so ein wenig zu quatschen.
Das mit dem Quatschen war besonders nett mit vier Berlinern, die wohl offensichtlich auf der Rückreise waren. Die sahen mich bei meinem mageren Essen, wohingegen sie einen fürstlichst gedeckten Tisch hatten. Ich hab die die Einladung nicht zweimal aussprechen lassen. Schließlich hatten die Salat, Käse, Brot, alles was ich mir vorstellen konnte.
So war der Abend in Landmannalaugar doch noch sehr nett. Natürlich gehört nach einem guten Essen auch noch ein gutes Bad dazu, also noch mal in den Hotpot.

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