Mittwoch, 27. Juni 2012

Island 2005 - Teil 4

21.07.05
Nachdem ich mich am Motel habe absetzen lassen, beschließe ich, der Hochlandstraße F26 noch nicht zu folgen, sondern lieber meinen Weg abseits der Straße an den Ufern des Kaldakvisl zu suchen. Wie man diesen Bach überquert, habe ich ja schon zum Besten gegeben.
Am Abend schlage ich am Ufer mein Zelt auf und verbringe zum ersten mal seit ich hier bin einen Abend komplett alleine. Na ja, nicht ganz. Irgendjemand hat mir erzählt, in Island gäbe es keine Mücken.
DAS IST FALSCH!
Und zwar so falsch, dass ich im Zelt denke, es regnet in Strömen, dabei sind das nur die Mücken, die von außen gegen die Zeltplane klatschen.
Ich beschließe, am nächsten Tag Schutzkleidung zu improvisieren.



22.07.2005
Früh stehe ich auf, da ich nicht weiß, was mich heute erwartet. Auf der Karte besteht der Weg aus einer gestrichelten gelben Linie. Wie sich herausstellt, ist es in Wirklichkeit eine mehr oder weniger gut erkennbare Fahrspur.
Soweit so gut denke ich, unterschätze aber die Landschaft.
Gab es zwischen ƥorsmörk und Landmannalaugar noch jede Menge landschaftliche Abwechslung, bei der es im Viertelstundentakt Neues zu entdecken gab, besticht die Landschaft im Sprengisandur durch ihre Weite und Gleichförmigkeit. Mein Weg zieht sich endlos über weite Bodenwellen aus schwarzer Lava. Die Augen suchen vergeblich nach einem Punkt zum Festhalten. Mir ist es unmöglich, hier eine Entfernung abzuschätzen. Eine Steinformation ist schon eine willkommene Abwechslung.





Nachdem sich die Anfängliche Panik vor so viel Weite gelegt hat, beginnt sich eine nichtgekannte Ruhe in mir auszubreiten. Der Weg liegt vor mir, ich habe Essen, Wasser und ein Zelt. Mehr brauche ich nicht.
Nach vier Stunden erreiche ich endlich einen Bach, und ich kann ungefähr abschätzen, wie weit ich schon gekommen bin.



Mein Plan, den Kjalvötn erreichen zu wollen scheint realistisch.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause mit Wasser und und Riegeln stürze ich mich wieder in meine schwarze Wüste. Eigentlich ist es auch egal, wie weit ich heute komme, nur dass ein See nichts Schlechtes wäre, weil der Kjalvötn für lange Zeit die nächste Frischwasserquelle ist.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen, als hinter einer Kuppe plötzlich die majestätischen Eismassen des Hofsjökull in der Ferne auftauchen. Gigantisches Weiß, von dem ich noch nicht ahne, dass es die nächsten Wochen einer meiner treuesten Begleiter sein wird.



Das gibt mir neuen Schub, da der Horizont jetzt nicht mehr so eintönig ist. Gegen Abend werde ich noch einmal unsicher, als plötzlich ein Wegweiser auftaucht, wo nach meiner Karte weder ein Weg, geschweige denn eine eine Weggabelung sein sollen. Also Kompass raus und mal schauen, welche Abzweigung denn ungefähr passen könnte, da der Wegweiser auch nichts anzeigt, was mir irgendwie sinnvoll erscheint.




Ich wähle die linke Abzweigung und erreiche tatsächlich nach kurzer Zeit den Kjalvötn. Ein gespenstisch anmutendes Fleckchen Erde. Eine schwarze Wasserfläche in schwarzem Sand, kein Geräusch außer meinem Atmen, noch nicht mal Wind. Unheimlich!
Nach dem Abendessen fange ich sogar an, mit einer Spinne zu reden, die durch meine Töpfe krabbelt.

Ich nenne sie Wilson.

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