Mittwoch, 27. Juni 2012

Island 2005 - Teil 5

23.07.2005
Während des Frühstücks unter strahlend blauem Himmel treffe ich die Entscheidung, wieder der F26 zu folgen. Ich bin lange hin und her gerissen zwischen der Einsamkeit auf der Nebenstrecke und der relativ gut ausgebauten Hauptroute. Am Ende siegt die Vernunft. Meine Karte erscheint mir nicht gut genug und ich bin allein. Falls mir etwas passiert, findet mich auf der Nebenstrecke kein Schwein (und Menschen wohl auch nicht viel früher).
Ich packe also zusammen und halte mich nordöstlich, bis ich nach zwei Stunden auf die Schotterpiste treffe. Nicht dass die Landschaft hier anders aussieht, aber es ist schon beruhigend, wenn man weiß, dass wenigstens einmal am Tag jemand vorbeikommt.



Trotzdem dauert es noch eine ganze weile, bis ich ein erstes Zeichen von Zivilisation entdecke.



Im Schatten einer Anglerhütte mache ich Rast. Dort tuckert zwar die ganze Zeit ein Generator, aber der treibt immerhin einen Kühlschrank an, in dem es Orangensaft gibt. Sündhaft teuer, aber ein Segen.
Nachmittags weiß ich, dass es sich gelohnt hat, die Strecke zu wechseln. Die Piste führt ziemlich lange bergauf, bestimmt zwei Stunden lang. Oben bin ich völlig durchgeschwitzt, aber wohl eine ziemlich große Attraktion für die schwedische Reisegruppe. Alle wollen ein Photo mit mir. Ihre Gegenleistung ist eine Riesige Flasche Zitronenwasser. Dankend nehme ich den Tausch an und schmecke noch drei Tage später das Zitronenaroma in meiner neuen Flasche. Der Tausch hat sich dann ja wohl gelohnt, oder?
Als ich oben wieder alleine bin, kann ich den Anblick erst richtig genießen. Ich sehe nicht nur die beiden großen Gletscher Hofsjökull und Vatnajökull, sondern auch den Hekla, in dem sich nach isländischer Überlieferung der Eingang zur Unterwelt befinden soll. Das wäre doch auch mal ein Reiseziel. Was aber noch viel wichtiger ist: zum ersten mal kann ich von da oben ungefähr sehen, wo mich meine Reise hinführen soll.
Am Abend machte ich dann Rast in meiner privaten Oase: einem kleinen Inselchen mitten im Fluss. Das Zelt steht auf einem Moospolster gleich am Wasser. Herrlich.



Schließlich wird es auch Zeit, mal wieder die Füße ins Wasser zu halten.



24.07. bis 25.07.2005

Die nächsten Tage folge ich der F26, die Mücken im Rücken, die beiden Gletscher links und rechts am Horizont und mein nächstes großes Ziel, die Nyidalur-Hütte nicht mehr weit entfernt. Die Landschaft besticht weiterhin durch ihre Weite, Gleichförmigkeit und Einsamkeit. Etwa drei mal am Tag begegne ich einem Auto, einmal sogar einem Fahrradfahrer. Bei dem Wind der hier oben mittlerweile weht sicherlich nicht das schönste Vergnügen. Aber das denkt er wohl über mich auch, wenn er den Staub sieht.
Nach einer Nachtruhe im Quellgebiet eines kleinen Baches erreiche ich am Nachmittag des 25. 07. die Nyidalur -Hütte.



Ich habe Hunger wie ein Raubtier auf Diät und beschließe, meinen Kartoffelbrei zu kochen. Was ich nicht gesehen habe: In der Tüte sind diesmal statt der üblichen zwei Portionen ganze zehn Teller. Lecker! Unter dem Staunen der anwesenden Tagestouristen spachtele ich mich auf der Terasse der Hütte stundenlang und mit Genuss mit Kartoffelstärke zu. Auf meine Verlautbarung, dass ich immer noch Hunger hätte, reicht mir ein deutsches Paar Kaffee und Kekse. Aber nicht irgendwelche Kekse, sondern diese süchtigmachenden schwedischen Zimtdinger. Ich bedanke mich artig und teile Kaffee und Kekse mit dem Radfahrer, den ich gestern getroffen habe. Der freut sich auch wie ein Schneekönig.
Als der Bus wieder weg ist, sitzen wir einfach nur so da, und lassen uns von der Sonne aufwärmen, reden wenig und laden uns wechselseitig zu einer Kanne Tee ein.
Gegen Abend kommt dann noch einmal Leben in die Bude, als noch eine Ladung Bustouristen aufschlägt. Zwei deutsche Touristinnen setzen sich lautstark lärmend neben uns. Sie suchen angeblich die Einsamkeit, beschweren sich aber über Sand, Mücken und Stille und darüber, dass sie sich schon seit gestern nicht mehr die Haare gewaschen haben.

Das ist der Punkt, an dem ich vorgebe, nichts außer fließend Suaheli zu sprechen.

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