Mittwoch, 27. Juni 2012

Island 2005 - Teil 7

Nach meiner Bergtour merke ich, dass der vorangegangene Tag wohl der Höhepunkte dieses Reiseteils im Hochland war. Außerdem sagt der Wetterbericht ein Ende des schönen Wetters voraus, und außerdem soll es in Laugafell an der Hütte warmes Wasser geben. Ein Haufen Gründe also, endlich aufzubrechen. Vorher steht aber noch eine kleine Inventur an.

Beschädigt sind
am Zeug:

  • ein Kocher (nach Hause geschickt und Ersatz besorgt)
    ein Mobiltelefon (zerstört und vernichtet, Ersatz besorgt)
    ein rechter Sandalen (der hat sich doch einfach sang- und klanglos vom Rucksack verabschiedet, wurde nochmals von einem Radler gesehen, aber in Freiheit belassen. Möge er glücklich werden…sowohl Radler als auch Sandalen)
    ein paar Stöcke (sind beim Abstieg am vorhergehenden Tag dummerweise und unter nicht unbedingt zu veröffentlichende Gründen auf der Strecke geblieben)
    ein paar Falke Socken (Lava sei Dank)
    das Zelt (Ebenfalls Lava sei Dank hat sich ein kleiner Riss gebildet, der aber wieder verklebt ist.)
    eine Regenhose (die übrigens ein Jahr später auf einem Segeltörn endgültig vernichtet wurde)


am Kerl:

  • ein aufgeschürftes Knie
    zwei Blutblasen am linken Fuß
    Schmerzen im linken Schienbein (die mich übrigens noch ein halbes Jahr danach begleitet haben)
    eine rechte Schulter leicht lädiert


Alles in allem befinde ich mich also in gebrauchtem aber noch recht gutem Zustand und mache mich auf den Weg nach Laugafell.

Dummerweise sind auf 50 Kilometer drei Flüsse zu überwinden, hier machen sich die verschollene Sandale und die fehlenden Stöcke natürlich schon bemerkbar.
Bei den ersten beiden Flüssen habe ich Glück, und kann hinten auf einen Land Rover aufspringen, der dritte Fluss wird zu einer echten Herausforderung.
Mit einer Sandale geht es nicht, barfuß habe ich von den Spitzen Steinen höllische Schmerzen, außerdem fehlt mir jeder Halt durch die ebenfalls fehlenden Stöcke. Laut schreiend stehe ich im Bach und muss beschließen, meine Stiefel nass zu machen. Mit Schuhen geht es auch ganz vorzüglich durch den Bach, und die Abendsonne trocknet wenigstens noch die Socken. Die Schuhe bleiben die nächsten vier Tage quatschnass.
Leicht lädiert erreiche ich am nächsten Tag die Hütte in Laugafell, nachdem ich vorher Sundenlang an einem Bach gesessen habe und Steine ins Wasser geworfen habe. Endlich habe ich diesen Zustand erreicht, an dem Zeit egal wird.

Ich bin mittlerweile ein wenig dreckig.
Hinter einem Berg liegt dann die Hütte und es gibt ein Naturschwimmbad mit 36°C, Laugafell heißt wörtlich übersetzt nämlich “Badeberg”. (Neben dem Laugafell gibt es übrigens einen Berg, der 100 Meter höher ist, als dieser, einen unausprechlichen Namen hat, der wörtlich übersetzt soviel heißt wie “Berg der 100 Meter höher ist als der Badeberg. Praktisch veranlagte Leute, diese Isländer.)

Die nächsten Tage sind also gebongt und auch meine Füße freuen sich über stundenlanges Lümmeln im Wasser, rumliegen, den Wolken zusehen und wieder Lümmeln im Wasser. Laugafell ist auch deutlich weniger frequentiert als Nydalur, so dass eine fast familiäre Athmosphäre herrscht. Jeder bringt seine Vorräte mit, und schon gibt es die feinste Poolparty aller Zeiten. Zwei Bayern haben sogar ein paar Dosen Bier dabei, und eine Familie aus Hamburg sucht einen vierten Mann zum Doppelkopf spielen.
Klingt schon fast ein wenig wie Urlaub auf Malle.
Eine Entspannung der ganz besonderen Art gibt es übrigens in der Hütte selbst. Hier wird nämlich nicht nur das Schwimmbad mit 36°C warmem Wasser betrieben, sondern auch gleich die ganze Klospülung einer sehr sauberen Toilette. Es ist leicht einzusehen, dass sich hier völlig neue Möglichkeiten des Aufwärmens und Entspannens auftun. Ich bleibe zwei Tage.

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