Montag, 4. März 2013

Alles Kohle, oder was?

Ich muss mich outen! Ich hab gestern Jauch gesehen. Tut mir ja auch leid. Aber ihr kennt das, es war wir ein Unfall: Irgendwie eklig, aber man kann nicht weg gucken.

Jetzt mal Scherz bei Seite.

Die Gästeliste ließ ja schon ein wundervolles Aufeinanderprallen herrlichster Klischees zur sogenannten „Homoehe“ vermuten. Beste Popcornunterhaltung! (Ich persönlich finde ja, dass die ganze loriotsche Größe der Wortkombination „eingetragene Lebenspartnerschaft“ noch nicht wirklich erkannt ist und plädiere deshalb für einen verstärkten Gebrauch.)

Und ja, mir war klar, dass Katherina Reiche aus meiner Sicht eher seltsame Thesen vertritt. Das stört mich noch nicht einmal. Es hat halt nicht jeder die Kraft zu sagen: Tut mir leid, ich bin zu intolerant! Da versteckt man sich dann lieber hinter Paragraph 6.1 des Grundgesetzes. Bei dem ganzen Gemurmel von „dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“ werden manche Menschen eben sehr schnell so engstirnig, dass sie Paragraph 3.1 „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ übersehen. Ist ja alles in Ordnung, lasst der CSU oder eben Frau Reiche ihre Rückzugsgefechte, irgendwann werden die auch noch merken, dass es vor knapp dreihundert Jahren in Europa mal so etwas wie eine Aufklärung gegeben hat. Nur Geduld. Das wird schon noch. Das mit Galilei und der Kirche hat sich ja auch irgendwann gegeben.

 

Was mich wirklich anwidert ist die Tatsache, dass bei jeder Diskussion zum Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft (LPartG) und der daraus resultierenden Rechte und Pflichten automatisch und sofort das Buzzword „Ehegattensplitting“ fällt. Und zack, hat man eine Steuerdebatte an der Backe.

Warum?

Bin ich denn wirklich so unnormal, dass für mich so ein absolut unsachlicher, romantischer, veralteter, spießiger, biederer Grund wie „Liebe“ dazu herhalten musste, meine Frau zu heiraten? Ist das wirklich so seltsam, dass mir egal ist, mit welchem Lebensmodell ich mehr oder weniger Steuern bezahle?

Könnten wir die ganze Debatte nicht bitte beenden. Es fällt niemand tot vom Fensterbrett, wenn zwei Männer einen Kinderwagen schieben (Gut, in der Eifel hört die Kuh vielleicht kurz mit dem Grasen auf und glotzt über den Zaun. Na und?)

Könnten wir dann mal endlich zum Kern der Debatte kommen: Grundlegende Reform des Steuergesetzes?

Danke!

 

Ach, und noch was: Als heterosexueller Ehemann und Vater, deutscher Beamter, Besitzer eines Familienkombis und eines Einfamilienhauses auf dem Land (Hab ich noch was vergessen, um so richtig spießig zu wirken?) wehre ich mich entschieden dagegen, dass mich Menschen wie Frau Reiche vertreten wollen!

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