Samstag, 16. November 2013

Die Füße im Feuer

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Wie jeder halbwegs vernünftige Mensch habe auch ich mein Pensum an Fünfen in der Schule verzapft. Manche davon waren echte Betonfünfer - wie die in Leichtathletik. (Man kann einem Schrank einfach keinen Seiltanz beibringen. Ist so!). Manche waren echt nervig, wie die in Mathe - Test im großen Einmaleins (Wer bitte muss auswendig wissen, was 17 mal 8 ist? Ich nicht!). Und manche Fünfen sind so cool, dass man auch nach fünfundzwanzig Jahren noch drüber lacht.

Legendär ist meine Fünf in Deutsch, als es um die Interpretation der Ballade Die Füße im Feuer ging.
Balladen waren noch nie so wirklich meins, und mein Deutschlehrer damals war auch nicht so wirklich meins. Im Nachhinein tut mir der arme Kerl leid. Paul Katzenbein (der Name ist maximal verfremdet bei gleichzeitiger Beibehaltung der Charakterisierung des Originalnamens) war eigentlich ein alter Sack, der uns deutlich spüren ließ, das es unter seinem Niveau war, pubertäre Vollpfosten wie uns zu unterrichten. Aus Kriegsgründen war ihm, so erzählte Katzenbein uns, der Doktor verwehrt geblieben. So blieb dem armen Paul die ersehnte Professorenkarriere versagt. Stattdessen musste er uns ertragen und wir ihn. Was hab ich ihn damals gehasst, und mit ihm natürlich die Deutschstunden und die Literatur. Man könnte fast meinen, der alte Katzenbein hätte sein Gutteil dazu beigetragen, dass ich mich später den Naturwissenschaften und der Pädagogik gewidmet habe. Insofern: Danke Paul Katzenbein. Du hast was gut bei mir!

Zurück zu meiner legendären Fünf.

Nachdem wir also monatelang mit Nathan dem Bekloppten, dem verwirrten Schimmelreiter und den Idioten von Seldwyla gequält wurden, kam Katzenbein mit dieser schaurigen Ballade daher, bei der schon der Anfang mein Herz höher schlagen ließ. War das etwa Abenteuerliteratur. Und dann noch der Titel. Und irgendwo stand noch was von "zwei Füße zucken in der Glut". Ey, Paul, hab ich gedacht, da gehts ja um Folter. Sehr geiles Gedicht!

In der abschließenden Klassenarbeit ging es dann um eine Interpretation des Ganzen; besonders um den Schluss, wo es heißt: Mein ist die Rache, redet Gott. Mein Fehler war, dass ich diesen Satz als Aufforderung Gottes an den Franzosen interpretiert hab, nun doch endlich Rache zu üben, und dem blöden Boten eine zu verplätten.

Das war leider falsch!

Ich fand meine Interpretation damals allerdings gar nicht so mangelhaft, sondern viel cooler als die eigentliche Botschaft vom alten Conrad Ferdinand. Wie Zeiten sich doch ändern können. Und ich muss jedes mal über mich selbst lachen, wenn ich an die Geschichte zurück denke.

Kommentare:

  1. Ok, jetzt habe ich doch ernsthaft geschmunzelt. Dachte, das ginge heute gar nicht mehr :)
    Betonfünfer! Hihihi!
    Meiner war: ein Seil nicht hochklettern können. Und zwar keine 20 cm.

    Und mein coolster Fünfer war die Übersetzung einer Lateinklausur, in der ich behauptete, der Protagonist würde, um sich vor der zehnten Legion zu verstecken, einem Löwen eine Vase über den Kopf ziehen. (Korrekt versteckte er sich angeblich in einer überdimensionalen Vase. Da soll einer drauf kommen. Tz.) Diese Fünf führte dazu, dass ich durch mein Kleines Latinum fiel. Das wiederum führte dazu, dass ich es für mein Studium an der Uni nachholen musste. Und das brachte mir eines der besten Semester meines Lebens, einen der besten Lehrer meines Lebens (Herr Goldmann, falls jemand fragt:)) und einen jahrelangen sehr engen Freund ein. Außerdem habe ich mit einer 2 abgeschlossen.

    Ja, du hast sehr Recht. Manche Fünfer sind so cool, da kann man sich heute noch drüber freuen!
    Danke für den schönen Post!

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  2. Danke für den schönen Kommentar. Ist doch immer wieder schön, sich an solche Dinge zurück zu erinnern. Wer mag, darf gern noch mehr Erlebnisse beisteuern. Und dann machen wir einen Feuerzangenbowlenblog ;)
    Also, immer her mit euren Erlebnissen.

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  3. Ich erinnere mich noch leidenschaftlich gerne an meine fünf in Hauswirtschaft. Es scheiterte an einer Frage im schriftlichen Testat:
    "Wie macht man einen Herd an?"
    Ich möchte Anmerken, dass meine Hauswirtschaftslehrerin eben auch Deutsch Lehrerin war. Wie sehr sie der deutschen Sprache mächtig war, zeigt schon diese Frage.

    Meine erste Reaktion, damals wie heute, war die, dass ich mich total verarscht gefühlt habe. Ich hatte Hauswirtschaft als Wahlpflichtfach ohne eine Wahl gehabt zu haben in der neunten Klasse einer Realschule. Also einen Grundschüler zu Fragen, wie man einen Herd anmacht, könnte ich ja noch nachvollziehen, aber spätestens wenn man in die siebte Klasse kommt, hat man sich doch zumindest mal eine Suppe aufgewärmt und sollte Wissen, wie man einen Herd anmacht.

    Ich habe die Frage schriftlich dahingehend beantwortet, dass zwischen einem Elektroherd und einem Gasherd unterschieden werden muss. Bei einem Elektroherd muss ich zunächst an der Zeichnung über dem Drehknopf ablesen, welcher Drehknopf für die jeweilige Platte zu verwenden ist. Anschließend dreht man den Knopf nach Links oder Rechts auf die gewünschte Stufe. Bei einem Gasherd muss man ebenfalls den zu verwendenden Knopf anhand der Zeichnung über den Drehknöpfen auswählen. Dann drückt man den Knopf rein und dann erst einmal auf eine Schwache Stufe. Nun wird mit einem Piezoelektronischen in den Herd integrierten Zünder durch drücken des zuständigen Knopfes das Gas entzündet. Nachdem die Flamme brennt kann man mit dem Drehknopf die Flamme auf die gewünschte Größe einstellen.

    Auf diese doch etwas ausführlichere Antwort gab es Null Punkte. Ich hab der Lehrerin dann leicht Sarkastisch gesagt, dass ich den Herd nächstes Mal umarmen und küssen würde in der Hoffnung, dass dieser sich dadurch angemacht fühlen würde. Daraufhin musste ich sogar noch eine Stunde nachsitzen, weil sich die Lehrerin beleidigt fühlte.

    Ähm - heute bin ich 31 Jahre alt, Ingenieur und die richtige Antwort weiß ich bis heute nicht. Um ehrlich zu sein weiß ich noch immer nicht, was sie von mir wollte, denn ich stelle Ernsthaft in Frage, ob man einen Herd überhaupt anmachen kann. Man kann ihn sicherlich Ein- und Ausschalten - aber Anmachen?!

    Und wie kann ich eine solche Lehrerin respektieren? Das fällt mir wirklich noch heute Schwer.

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  4. Die arme Frau. Dummerweise steht Humor und Schlagfertigkeit nicht im Anforderungsprofil für Lehrer. Leider, wie man an dieser kleinen Geschichte sieht...

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