Montag, 31. März 2014

Töchter, Zecken und Bananen

Widmung
Diese wahre Geschichte ist eine Art comic relief zu dem, was Julia Schönborn gestern widerfahren ist. Ihr und ihrer Familie widme ich diesen Text. Gute Besserung, kleiner Mann! Und vergiss niemals das Wörtchen „Nein“. Es ist wichtig!

Vorweg
Wer mich kennt weiß es bereits, alle anderen erfahren es jetzt:

Ich hasse Obst! Aber sowas von!

Ich nehme Obst höchstens in vergorener Form zu mir, und das auch nur in Maßen. Alles andere wird von mir seit frühester Kindheit inbrünstig verabscheut. Ich habe sogar für jedes Obst eine Erklärung parat, warum ich es nicht ausstehen kann, aber das ist eine andere Geschichte. Mein Alibiobst sind übrigens Tomaten, botanisch gesehen zumindest...
Ach ja, und das alleralleraller- wirklich allerwiderlichste ist der Geruch von Bananen. Den rieche ich 150 Kilometer gegen den Wind. Und da hilft auch nur sofortige Behandlung der Nasenschläumhäute mit Tigerbalsam (Schichtdicke mindestens ein Zentimeter) um diesen Gestank irgendwie wieder los zu werden. Bananengestank geht gar nicht. Null! Keine Kompromisse! Keine! Gar keine! Klar? Gut.

Es geht los
Es war vor...na, sagen wir mal zweieinhalb Jahren, als unsere Tochter so richtig laufen konnte. Da wir so ziemlich am Busen der Natur wohnen, ist der Wald auch nicht weit entfernt, und Stöcke und Kinder... Ihr wisst, was ich meine.
Ich schnappe mir also irgendwann nachmittags den Nachwuchs mit den Worten: „Komm Kind, wir spielen Jungleerforscher!“
Was hatten wir einen feinen Nachmittag, mit Balancieren auf umgekippten Bäumen, Bucheckern sammeln, Blätter durch die Gegend schmeißen, eben alles, was zwei Kindsköpfe im Wald so tun.
Es wird Abend, das Kind soll ins Bett, weil es ja dunkel ist. Der Zwerg liegt auf dem Wickeltisch, erzählt sich und uns einen Ast vom Wald, ist fröhlich und guter Dinge, als plötzlich:

Oh Graus, eine Stimme erschallt: „Mann, komm her! Du weißt doch wie Zecken aussehen.“
Jetzt wohnen wir (noch) nicht in einem Risikogebiet und ich hole mir die Dinger ja grundsätzlich selber raus, schon aus dem einfachen Grund, weil ich keine Parasiten auf mir dulde. Ich schritt also sorglos zum Kinde, und tatsächlich hatte sich dort in Töchterleins Leiste so ein kleiner Scheißer festgebissen.

Pink Lady merkte wohl, dass Mama sehr nervös und Papa leicht nervös war, und strampelte deshalb wüst um sich. Jetzt war ich aber auch ein wenig zu unsicher, bei der Kleinen das Ding selber rauszuholen. Und meine Gattin war ob des Parasiten etwas..., sagen wir besorgt. (Wenn ich hier panisch schreibe, krieg ich wieder Ärger, dass ich schamlos übertriebe. Ich lasse es also.)
Wie dem auch sei, wir packten das Kind in den Schlafanzug und beschlossen, das Spinnentier fachmännisch von unserer Tochter trennen zu lassen.
Also Kind in den Kindersitz und ab nach Koblenz, wir wohnen schließlich am Busen der Natur. Wassenach - Koblenz sind so 30 Minuten Fahrt, wenn man es ruhig angehen lässt. Tat ich aber nicht. Ich holte aus meinem kleinen weißen Suzuki Alto (Das ist der kleine Schuhkarton mit vier Rädern unten dran. Aber ne 53 auf der Motorhaube - soviel Stil muss sein) so ziemlich alles raus, was ich mit Kind im Wagen verantworten konnte.
Normalerweise läuft in solchen Situationen in mir ein automatisches Programm ab: Ich funktioniere und fertig. Der Stress fällt dann erst weit danach ab. Als Mann willste in so einer Situation auch irgendwie der Held sein, oder?

Dummerweise saß jetzt aber unsere Tochter auf der Rückbank. Und offensichtlich hat man an diesem Abend meine Aufregung meinem Fahrstil doch ein wenig angemerkt.
In Rekordzeit schaffte ich es in die Kinderambulanz nach Koblenz, wollte die Karre samt Familie gerade auf dem Parkplatz abstellen, als ich von hinten ein herzhaftes „Huuuuuuuaaaaalp“ mit anschließendem Schrei vernahm. Da hatte die kleine doch tatsächlich meinen Fahrstil sehr gehaltvoll kommentiert, sprich alles vollgekotzt. (Neee, Ersatzbody hatten wir nicht dabei. Wir doch nicht....)

Der aufmerksame Leser wird es ahnen. Das Kind hatte was zu Abend gegessen? Genau:

B A N A N E N B R E I !

Jetzt kannste als Mann in so einer Situation aber auch nicht einfach einknicken, zumal die Gatttin offensichtlich auch ein wenig unter meinem Fahrstil gelitten hatte (Ja himmelherrgottssakrament, ein Alto liegt eben wie ein Brett auf der Straße. Also wie ein hochkant stehendes Brett!)
Ich schreite um den Wagen, im fester Absicht, meine Tochter auf den Arm zu nehmen, öffne die Türe - und ja, es ist nur meinem eisernen Willen und meiner äußersten Selbstdisziplin zu verdanken, dass ich die Meinungsäußerung auf dem Schlafanzug (und dem Kindersitz, und der Rückbank, und dem Fußraum) nicht ebenso gehaltvoll erwiderte.

Entschuldigung, aber gönnt euch mal das Vergnügen, halb verdauten Bananenbrei durch eure Nase ziehen zu lassen.

Leicht grün um die Nase weigerte ich mich standhaft, meine Tochter auch nur anzupacken! Und zack, war mit einem Schlag die ganze männliche Heldenglorie zusammenerbrochen.
Das Kind wurde dann schön sittsam, wie es sich im konservativen Koblenz gehört, von Mama ins Krankenhaus getragen. Papa trug den Autoschlüssel und war froh, als er endlich, endlich an einer Flasche Isopropanol vorbei kam. Ich sag euch: das Zeug duftet. Ich war wie im siebten Himmel - für wenige Minuten.

Dummerweise hatte die Zecke mittlerweile beschlossen, von unserer Tochter abzulassen und sich stattdessen in deren Windel zu verbeißen.....

Wat machste da? Stehst mit mit einem Kind voller Bananenkotze und Panik in den Augen in der Ambulanz und hast noch die Wechselklamotten vergessen. Super!

Es nahm biblische Ausmaße an:

Sie nahmen das Kind, wickelten es in Tücher und legten es in eine Krippe. Die Tücher hatten wir aus dem Krankenhaus bekommen, die Krippe stand auf dem Parkplatz und stank nach Bananenkotze. Aber sowas von! Und ich musste die Familie (von der ein Drittel ebenfalls nach Bananenkotze stank) noch nach Hause fahren. In der Kiste mit der Bananenkotze!

Hab ich auch gemacht! Ganz langsam und besonnen!

Und jetzt sag mir bitte noch einer, dass Männer wir keine Helden sind!

Kommentare:

  1. Was war das für ein Abend... Ich finde ja nur, dass meine Wenigkeit ein wenig ... blass... daher kommt. Ich hab ja schon auch irgendwie heldenhaft das brüllende Bananenbündel weeeeeiiiiit weg vom tief(!)grünen (denk dran Schatz, Du bist rot-grün blind, ne? Deshalb verzeih ich Dir mal das leicht grün...) Mann ins Krankenhaus getragen! Und außerdem: sonst hatte ich immer (!) die Wickeltasche dabei! Ja, ja...

    AntwortenLöschen
  2. Ach ja und eigentlich bin ich sowieso noch eine Heldin gewesen, denn wer hat das Auto und vor allem den Kindersitz in stundenlanger (würg!) Fummelsarbeit wieder von jedem (Duft-)Molekül Bah-nane befreit???

    AntwortenLöschen
  3. Und: es stanken mal mindestens zwei Drittel der "(h)eiligen" Familie nach dem Duft der gebogenen Frucht! Ich hab die Pink Lady ja schließlich auf meinem Arm an mich schmusend getragen und nicht an den Ohren, mit weit ausgestreckten Armen, egal wie voll geko... die Tigamaus auch war! So!

    AntwortenLöschen
  4. Ich stelle hiermit öffentlich fest: Ohne meine geliebte Gattin säßen Tochter und ich wahrscheinlich noch heute auf dem Parkplatz der Kinderambulanz in Koblenz! Ehrlich!

    AntwortenLöschen
  5. Ein Hoch auf Euch beide! Martin, das Ereignis hast Du wunderbar beschrieben. Eltern sind schon Helden. Ehrlich wahr!

    Made my day, definitiv! Einen Gruß in Euren Abend.

    AntwortenLöschen
  6. Ein Hoch auf Euch Helden des Alltags. Ja, Kinder und Autos vollkotzen, das kenne ich. Meine Tochter hatte mal eine Flasche Prospan erwischt und auf Ex geleert, danach wollten wir aufs Land fahren. Nach ein paar Kilometern war dann die töcherliche Verdauung auf "Rückwärtsgang" gestellt und sie ließ sich die Spaghetti vom Mittagessen nochmals duch den Kopf gehen. Klar, dass wir erst mal umdrehen mussten und das Auto putzen. :-)

    AntwortenLöschen
  7. Ich glaube, dass das die Rache unserer Eltern ist, für all die vollgekotzten Autos, die wir so hinterlassen haben ;) Also so eine Art Generationenvertrag 2.0

    AntwortenLöschen
  8. Danke und Grüße zurück. Im Hinblick auf einen meiner nächsten Artikel hoffe ich, dass wir uns endlich mal treffen, wenn ich in Speyer oder Sinsheim bin. Vermutlich bringe ich die kleine Kotzerin dann auch mit ;)

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über deinen Kommentar ...