Montag, 17. März 2014

Was klass... klasch... was altes

Mein bester Freund sitzt gerade mit meiner Gattin in deren Arbeitszimmer und hilft bei der Vernetzung diverser Computer, auf deren Gehäuse angebissenes Obst prangt. Ich halte mich von dem Theater fern, weil ich auf Obst eine negative Ausstrahlung habe (und umgekehrt). Und wenn Bill Adama mich eins gelehrt hat, dann das:


Kein Netzwerk auf meinem Schiff.



Ich erinnere mich lieber der altbekannten Geschichte von Betriebssystemen und Airlines, deren hochgradig persönlich eingefärbte Version ich hier zum besten geben möchte, und die meine persönliche Betriebssystemsodyssee (nie war ein Fugen-S schöner) in Teilen wiederspiegelt. Hier also meine Version eines Klassikers der Internetallmende:

Wenn Betriebssysteme Airlines wären

DOS-Air

Die Flugzeuge bestehen weitgehend aus Sperrholz und alles ist in düsterem Schwarz-Weiß gehalten. Das Be- und Entladen des Flugzeugs übernimmt Commander Norton noch persönlich. Er ist ein Profi. Als Unterhaltungsprogramm gibt es auf allen Flügen "Prince of Persia", das über eine mit Kaffee und Krümeln versutschte Tastatur mit dem antiroyalistischen Befehl prince.exe gestartet wird.


Win3.11-Airlines

Die Flugzeuge sehen aus, als wären sie mit der Motorsäge aus einem Block massiven Eisens handgeschnitzt worden. Dafür kann man während des Fluges jetzt aus dem Fenster gucken. Das Highlight ist eine analog anmutende Uhr. prince.exe kann man zwar immer noch spielen, muss dafür aber seinen Fensterplatz aufgeben.


Windows95-Express

Der Motorsägencharme ist geblieben. Alles ist irgendwie grau und schmutziggrün. Der Prince läuft immer noch im Unterhaltungsprogramm und wird von "Ports of Call" auf einem zweiten Kanal unterstützt. Minesweeper macht mich aggressiv und sollte unter Verschluss bleiben.


SuseLinux - Tourismusagentur GmbH 7.0

Die Motorsägen scheinen von Amateuren bedient zu werden. Ich finde mich nicht zurecht. Alles ist grün, ich gehe lieber vor die Tür.


Win98-Tours

Immer noch sehen die Flugzeuge aus, wie mit der Motorsäge geschnitzt. Da ich aber keine Lust habe mich in quietschbuntblaugrüne Flugzeuge zu setzen, in denen mich alle fünf Minuten ein schmieriger Typ anmacht, der wie eine Büroklammer aussieht, von nichts eine Ahnung hat, und trotzdem so tut, alles besser zu wissen, bleibe ich ich dieser Fluglinie sehr lange treu, vor allem, weil im Unterhaltungsprogramm "Operation Red Alert" läuft.


Win2000-Tours

Die Flugzeuge sehen genauso aus, wie die von Win98-Tours. Dafür ist der Tankstutzen jetzt größer und hört auf den Namen USB.


Warty Warthog-Express

Ein südafrikanischer Milliardär stellt hübsche Flugzeuge in diversen Brauntönen kostenlos zur Verfügung. Meine Freunde haben Bunte Flugzeuge geklaut und wundern sich über Piraten und Abstürze. Sie bitten mich um Hilfe, wollen aber nicht einsehen, dass es nicht gut ist, wenn jeder Fluggast immer auf die Kontrollelemente im Cockpit zugreifen darf. Außerdem gefällt es ihnen nicht, dass sie beim Warthog-Express ihre Sitze selbst einstellen müssen.


Debian-Airlines

Die Gesellschaft heißt eigentlich Debian GNU/Linux Gemeinschaft und ist streng basisdemokratisch organisiert. Ich kann mein Flugzeug gestalten, wie ich möchte. Ich beschränke mich aber darauf, die Passagierkabine nach meinem Geschmack einzurichten. Das Unterhaltungsprogramm an Bord der Flugzeuge ist mangelhaft. Am besten nimmt man für jeden Flug ein tragbares Kassettenabspielgerät mit.


Airline from Scratch

Jemand kippt mir einen Bauplan und ein paar Werkzeuge vor die Füße. Ich bin überfordert.


Fedora-Express

Alles ist blau, das Unterhaltungsprogramm ist besser, aber es werden bei weitem nicht so viele Flugziele bedient wie bei Debian-Airlines.


Lubuntu-Express

Ich bin bequem und ich verwende aus Überzeugung nur Hardware aus zweiter Hand. Die Flugzeuge sind auch blau und funktionieren für meine Zwecke perfekt. Meinen Freunden gefällt es immer noch nicht, ihre Sitze selber einstellen zu dürfen. Ich fühle mich wohlig an den Motorsägencharme der 3.11 Flugzeuge erinnert. Hier bleibe ich ersteinmal.


MacOS-Airlines

Alle Flugzeuge sind weiß und sehr flach. Immer wenn ich etwas wissen will, wird mir gesagt, dass mein Problem nicht existiert, ich also auch keiner Antwort bedarf. Ich bin ärgerlich. So etwas mag ich nicht. Das Unterhaltungsprogramm ist darauf ausgelegt, nur als Zusatzangebot der Airline gekauft zu werden. Ich finde das unpraktisch.


iOS 5.3-Air

Der Innenraum der Flugzeuge hat irgendwie einen puffigen Ledercharme in dreckigblau. Die Kaffeetassen werden einzeln verteilt. Es ist nicht möglich, einen Kaffe und ein Sandwich gleichzeitig zu ordern. Alle Fensterscheiben sind ständig verschmiert.


iOS 7.1 Express

Notgedrungen benutze ich die Flugzeuge, deren Tankstelle ein ehemaliger Plattenladen ist. Ich finde das komisch, ernte aber nur religiöses Unverständnis. Ich frage eine Frau, warum das Flugzeug immer meinen Standort wissen will. Wahrscheinlich, weil die Scheiben immer noch verschmiert sind. Sie weiß keine Lösung. Ich werde ärgerlich und frage noch einmal . Die Frau versteht mich nicht, bleibt aber höflich. Ich nicht. Ich sage ihr, dass sie mich nervt. Sie bleibt freundlich und sagt, dass es keinen Grund gibt, sie zu beschimpfen. Ich finde schon. Ich verbiete der Frau zu reden und möchte sie aus dem Flugzeug werfen. Die Frau bleibt. Ich träume von einer Motorsäge.

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