Sonntag, 6. April 2014

Flugausstellung Hermeskeil - Impressionen

Die Flugausstellung Hermeskeil liegt irgendwo im Niemandsland zwischen Trier, Luxemburg und Koblenz. Trotz ihrer etwas abgeschiedenen Lage ist die Flugzeugsammlung L.+P. Junior eine der größten privaten Flugzeugsammlungen Europas. Die Juniors haben in vier Hallen und einem riesigen Freigelände (fast) alles zusammengetragen, was in der Luftfahrtgeschichte Rang und Namen hat. Aufgrund der Fülle der Exponate ist es nahezu unmöglich, alles an einem Tag anzuschauen. Ich habe mich bei meinem diesjährigen Besuch also auf (vornehmlich) zivile Passagier- und Transportmaschinen konzentriert.
Zur Frage, ob ich es mit mir vereinbaren kann, Kriegsgerät ästhetisch darzustellen, habe ich hier ja schon einmal Stellung bezogen. Es ist also nicht auszuschließen, dass ich später noch mal eine Fototour unternehme, um mich ausschließlich den alten MiGs und Saab-Jägern zu widmen.

Für heute möchte ich eher einen dokumentarischen Einblick geben, und einen winzigen Ausschnitt aus der Flugausstellung in Hermeskeil zeigen.

Los geht es mit einem Klassiker: Die Antonov AN-2 ist immer noch der größte einmotorige Doppeldecker der Welt. Zwar gibt es mit der Antonov AN-3 eine Version mit Turbopropmotor, aber die AN-2 mit ihrem Sternmotor ist auch heute noch für einige Fluggesellschaften im Einsatz.

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Bleiben wir kurz im Konstruktionsbüro Antonov, das ja eher für deutlich größere Transporter bekannt ist. Mit der AN-26 findet sich in Hermeskeil eher ein kleinerer Transporter, in dessen Navigatorblister ich ja zu gerne mal rein gekrochen wäre.

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Verbleiben wir noch kurz bei den Legenden sowjetischer Ingenieurskunst: Die TU-134, die hier in der verbesserten Variante TU-134A der Interflug zu sehen ist, war eins der ersten Verkehrsflugzeuge, bei denen die Triebwerke am Heck angebracht sind. Am meisten fasziniert mich der gläserne Bug, der den Arbeitsplatz des Navigators umgibt.

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Mit der Iljuschin IL-14 findet sich in Hermeskeil ein interessantes Stück Flugzeuggeschichte. Die Maschine aus dem Jahr 1950 ist eins der Nachfolgemuster der Lissunow Li-2. Die Li-2 war eine damalige Lizenzfertigung der US-amerikanischen Douglas DC-3, auch bekannt als Rosinenbomber. Im Gegensatz zur DC-3, die mit einem Spornrad ausgestattet ist, verfügt die IL-14 über ein klassisches Dreipunktfahrwerk mit Bugrad. Trotzdem können beide Flieger ihre Verwandschaft nicht verleugnen.

Iljuschin IL-14
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Douglas DC-3 der Royal Jordanian Airforce
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Die Il-14 diente unter anderem dem damaligen Staatsratsvorsitzenden Walther Ulbricht bei seinem Besuch in Moskau. Nur wenige Wochen später traf 1955 der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer mit einer Lockheed Super Constellation der Lufthansa (Luftfahrtkennzeichen D-ALIN) in Moskau ein. Die Super-Constellation stellte den damaligen Höhepunkt des Verkehrsflugzeugbaus mit Kolbenmotoren dar. Im Zuge seines Moskau-Besuches erreichte Adenauer die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkriegs.
Eben diese Adenauer-Maschine ist jetzt in Hermeskeil zu bewundern.

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Mit der IL-18 entwickelte das Konstruktionsbüro Iljuschin Mitte der Fünfzigerjahre einen Nachfolger für die in die JAhre gekommenen Lissunow Li-2 und deren Nachfolgemuster Il-12. 1957 fand der Erstflug des viermotorigen Turboprop-Flugzeuges statt. In Hermeskeil befindet sich gleich neben der Super-Constellation eine IL-8 der Interflug. Die letzten Iljuschins dieses Typs flogen in Deutschland bis ins Jahr 1994 für die Fluglinie Berline, die 1991 von ehemaligen Interflugmitarbeitern gegründet wurde. Noch heute haben die russischen Luftstreitkräfte Maschinen des Typs Il-18 im Einsatz, und vermutlich fliegt eine Il-18 auch noch für die nordkoreanische Air Koryo. Auf Youtube existieren sogar einige Videoaufnahmen dieser Maschine.

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In Hermeskeil befinden sich außerdem eine ganze Reihe sowjetischer Transporthubschrauber, (Mit dem Mil Mi-6 auch einer der größten jemals gebauten Hubschrauber) die einen eigenen Besuchstag lohnen würden. Ein Schätzchen möchte ich aber doch nicht verstecken: In einer der Hallen findet sich ein Kamow Ka-26 Transporthubschrauber der Volkspolizei. Unweigerlich musste ich an Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt denken.

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Davon, dass auch auf der anderen Seite des Vorhangs mit den wildesten Formen experimentiert wurde, zeugen in der Flugausstellung Hermeskeil gleich drei Schätzchen:

Eine Nord Noratlas,
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eine de Havilland Dove der Royal Airforce und
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eine Vickers Viscount der Lufthansa
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Ein Höhepunkt der Sammlung ist sicherlich eine de Havilland DH 106 Comet - das erste wirtschaftlich betriebene Düsenverkehrsflugzeug der Welt. Aus diesem Flugzeug wurde wenig später die Caravelle der Sud Aviation (für viele immer noch das schönste Verkehrsflugzeug der Welt) entwickelt, die in Hermeskeil leider fehlt.
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Dafür ist mit der Vickers VC10 der British Aircraft Company ein stolzes Stück britischer Flugzeuggeschichte zu bestaunen. Die in Hermeskeil ausgestellte Maschine war ein Regierungsflugzeug der Vereinigten Arabischen Emirate.
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Selbstverständlich fallen dort, wo an Flugzeugen gehobelt wird auch Späne ab, und so darf zum Abschluss ein kleiner Blick hinter die Kulissen nicht fehlen.
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Die hier gezeigten Flugzeuge bilden nur einen winzigen Teilbereich der riesigen Sammlung der Juniors ab. Leider merkt man einigen Flugzeugen den langen Aufenthalt auf einem Freugelände auf dem Hunsrück durchaus an. Aber auf Hochglanz polierte Museumsstücke findet man eben nur in großen Hallen, und nicht in einem Freiluftmuseum. Trotzdem kann ist die Flugaustellung L.+P. Junior in Hermeskeil absolut sehenswert und mit einem einzigen Besuch gar nicht ganz zu erfassen. Aber so weit liegt Hermeskeil ja nicht entfernt, als dass sich da nicht noch ein kleiner Zweit- oder Drittbesuch ergeben wird.

Update:
Wie die Jungfrau zum Kinde kam ich in dieser Woche zu einer zweiten Runde I_amGermany. Selbstverständlich twitterte ich auch von Hermeskeil heraus in die Welt. Die angehängten Bilder habe ich hier noch mal in einem kleinen Video versammelt. Für den Soundtrack habe ich ein paar Schraubenschlüssel im Zinkeimer geschüttelt, oder so...

#Pics2Mov from Martin Ingenhoven on Vimeo.

Kommentare:

  1. Wow! Und das Freugelände ist ein toller Freudscher Verschreiber ;)
    Kuss!

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  2. Klasse, der Blick hinter die Kulissen ist ja eher so meins, Schrottografie ;)

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  3. Schrottografie ist ein toller Ausdruck!

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  4. Hier in der Gegend haben wir die Flugwerft Schleißheim wo man auch einiges an altem fliegenden Material bewundern kann. Auch Augsburg hatte vor vielen Jahren mal ein "fliegendes Museeum", aber das wurde dann nach England verkauft.

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  5. Hattet ihr nicht mal ein Ballonmuseum?

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  6. Hallo Martin,

    das sind sehr schöne Bilder. Jedoch gefällt mir die Comet weitaus besser als die Caravelle. Auch wenn mir Flugzeuge mit Triebwerken am Heck grundsätzlich besser gefallen, so finde ich die Verpackung der Triebwerke der Caravelle einfach wunderschön. Es gibt schon sehr schöne Flugzeuge,.

    Wir haben hier quasi um die Ecke das Technikmuseum Sinsheim mit einer Tu-144 und ihrer Kopie, denen ich ruhig mal wieder einen Besuch abstatten könnte.

    Flugzeuge faszinieren mich schon seit langem, folglich war (und ist im Geheimen immer noch) Pilot mein Traumberuf. Da meine Augen jedoch eher schlecht sind, durfte ich mir den Berufswunsch recht früh (haha) aus dem Kopf schlagen. Vor zwei, drei Jahren habe ich dann die Welt der Flugsimulatoren als Ersatzdroge für mich entdeckt.

    Ich finde es einfach atemberaubend, von einem Käfig aus Metall in 30.000 Fuss über dem Boden/Meer mit 900 Sachen durch die Luft zu sausen, entsprechend gerne fliege ich schon als Passagier.

    Ich hoffe, du schiesst bei deinem nächsten Besuch wieder Bilder, ich würde mich freuen.

    Viele Grüße,

    Nathan

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  7. Ich meinte natürlich, dass die Triebwerke der Comet einfach schön verpackt sind.

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  8. :) Ich finde den Bug der Comet umwerfend schön!

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  9. Hi Nathan, in Sinsheim bin ich schon oft vorbei gefahren. Aber leider immer nur vorbei. Aber! Morgen will ich mit unserer Kleinen nach Speyer. Ich hab damals die Buran über den Rhein schippern sehen.
    Ob ich mit dreijähriger Profirutschbahnfahrerin aber zum photographieren komme... Warten wir es ab ;)

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  10. Außerdem bin ich ja ein großer Bewunderer der alten Tupolevmuster, wie der TU-10, TU-124, TU-134 und für den Freund des gepflegten Hecktriebwerks natürlich die Tu-154.
    Ich hab jetzt doch noch die Akkus der Pentax an den Strom gehängt. Wer weiß... Die letzte Fototour mit der Kleinen war ja auch sehr ergiebig.
    Wenn ich nach Sinsheim fahre, sag ich noch mal Bescheid, wir können uns gerne wenn du magst in der TU-144 treffen ;)

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