Montag, 5. Mai 2014

Die hohe Kunst, sich selber auf den Sack zu gehen

Mahlzeit! Ich bin sauer, über mich selber, obwohl das nichts bringt. Trotdem kann ich es nicht stoppen. Höchste Zeit also, außenstehende mal ein wenig in das mitzunehmen, was gemeinhin als "Gedankenkarussell" bezeichnet wird. Herr Overstreet nannte es einmal "Frustkopfkino" und hat ein recht treffendes Dominobild gewählt. Ich nenne es ab und zu meinen Gefängnisstrudel, wenn ich mit mir alleine bin, sonst gern auch "die Spirale". Ich denke alle Bezeichnungen sind mehr oder minder treffend.

Aber was ist passiert?

Ich habe am Freitag(!) eine Dämlichkeit begangen, von der man sagen könnte: Ja, haste gemacht, war scheiße, machste nicht nochmal. Ich war am Freitag mit der Kleinen im Zoo, musste dringend auf dem Lokus, welcher einigermaßen angesifft war, was mich dazu bewegte, der Tochter zu sagen: "Bleib hier stehen und guck dir die Otter an. Ich bin nur auf dem Klo, wenn was ist, schreist du."
Ja, war nicht toll, fand meine Frau auch nicht so toll, aber wie gesagt: Gesunde Menschen können sagen "Scheiße passiert. Alles gut gegangen, nächstes mal anders."

Ich kann das nicht. Seit spätestens gestern stecke ich in einem Gedankengefängnis fest, in dem ich mir immer wieder vorhalte, wie scheiße mein Verhalten war. Da hilft nichts gegen, kin gutes Zureden, kein Rausgehen, kein Irgendwasmachen. Null! Dieser Gedanke "Das war scheiße!" verfolgt mich derartig, dass ich schon den ganzen Tag zu nichts anderem mehr komme. Und als wäre ich damit nicht schon geplagt genug, packe ich mir noch das obendrauf, das ich gern "Metaärger" nenne - also den Ärger darüber, dass ich mich seit Tagen über meine Aktion von Freitag ärgere.

Da wirste doch bekloppt von!

Immerhin, und das unterscheidet den aktuellen Krankheitsausbruch vom letzten, weiß ich, dass dieses Gefühl irgendwann (und wenn es Tage dauert) wieder weg geht. Mir bleibt keine andere Mööglichkeit, als diesen Dreckszustand auszuhalten, und allein das wissen, dass er irgendwann weggeht, lässt mich das ganze einigermaßen durchstehen.

Solage funktioniert aber nichts bei mir. Keine Kreativität, kein Lesen, keine Musik. Ich könnte kotzen!

So gehabt euch wohl. Immerhin habt ihr jetzt ein einigermaßen ungefiltertes Gedankenkarussel, Spirale, Frustkopfkino, wasauchimmer abbekommen.



P.S.: Political correctness und gewählte Sprache haben heute Feierabend!

Kommentare:

  1. Mein lieber Martin,

    ich verstehe dich so gut. Die Möglichkeit, sich ausmalen zu können, was durch dieses Verhalten hätte alles passieren können, scheint sich ins Unermessliche ausweiten zu können. Das kann man perfektionieren bis zu den alptraumhaftesten Vorstellungen, damit der Tunnelblick auf die mögliche Katastrophe schön fokussiert bleibt während er es möglich macht, dass sich der Magen zusammenkrampft und so verharrt. Schockstarre. Wie lange, das weiß man vorher nie so genau. Der Knoten wird sich lösen, wie du schon festgestellt hast. Die Gewissheit aus Gewohnheit. Man kennt das schon.

    Trotzdem sehe ich darin auch etwas Gutes (sorry so bin ich nunmal, auch so eine kranke Angewohnheit von mir ;) ).
    Nämlich, dass gerade Menschen, die sich solche Gedanken machen, die sind, die ihre Fehler erkennen und sie garantiert nicht wiederholen.

    Ja, du hast einen Fehler gemacht. Es ist gut gegangen und du wirst ihn nicht nochmal machen. Dessen bin ich mir ganz sicher.

    Ich hoffe, dein Knoten löst sich bald, fühl dich herzlich gedrückt!

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  2. Oh ja,

    und immer schön im Kreis drehen, abweichen nicht möglich. Nicht gut und kaum auszuhalten.

    Zitat: "Trotzdem sehe ich darin auch etwas Gutes (sorry so bin ich nunmal, auch so eine kranke Angewohnheit von mir ;) ).
    Nämlich, dass gerade Menschen, die sich solche Gedanken machen, die sind, die ihre Fehler erkennen und sie garantiert nicht wiederholen.

    Ja, du hast einen Fehler gemacht. Es ist gut gegangen und du wirst ihn nicht nochmal machen. Dessen bin ich mir ganz sicher.

    Ich hoffe, dein Knoten löst sich bald, fühl dich herzlich gedrückt!"

    *unterschreib*

    Und dass es nicht so lange dauert ;)

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  3. Hi Martin,

    wie weit weg war denn das Klo von den Ottern? Als Frau muss ich sagen, deine Tochter hätte im Männerklo nicht zwingend was verloren gehabt, gerade wenn es so versifft war und Du kannst deswegen nicht auf die Frauentoilette (was nicht heisst, dass es da immer sauber ist). Wo hätte sie also hin sollen? Oder hättest Du in die Hose machen sollen, oder gar ins Gebüsch (da wärst Du ja dann der Widerling/Exibitionist)?
    Klar, es hätte etwas passieren können, aber das kann auch passieren, während Du euch ein Eis kaufst und ihr kurz den Rücken zu drehst. Klar, es war nicht optimal, aber wenn man heute Angst haben muss, das Kind kurz aus den Augen zu lassen, dann kann man auch keine fremde Person fragen ob sie kurz schaut.
    Ich will damit nur sagen, es kann immer was passieren. Das soll Dir nicht Angst machen, sondern das Karussell etwas vermindern. Mir hilft die Realitätsüberprüfung oft bei solchen Spiralen.
    Zur Zeit wache ich täglich um 5 Uhr früh auf und kann dann im Zickzack hüpfend (also meine Gedanken) mir Dinge überlegen, Einkaufslisten, Putzliste, ToDoliste, Peinlichkeiten, meine eigene Unfähigkeit usw. dann so gegen 7 bin ich bereits so erschöpft, dass ich wieder schlafen könnte.

    Liebe Grüsse aus der sonnigen Schweiz
    Floh

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  4. ich erkenne das problem und ich bin deiner meinung, nämlich erstens, ja, es hätte was während deiner session passieren können, und zweitens, dass dieses gedankenkarussell, in dem du seitdem steckst, irgendwann vorbei geht - und zwar genau dann, wenn DU es entscheidest.

    was wir immer wieder tun ist: wir lassen uns von unseren gedanken total verrückt machen, weil wir uns damit identifizieren. wir vergessen dabei: wir SIND NICHT unsere gedanken. wenn man das erkannt hat, dann hat man auch die macht über die gedanken :) diese werden nämlich von unserem EGO produziert, das Ego ist einfach da, und oft, viel zu oft kontrolliert es uns. das EGO liebt das drama. und macht gedanken wie "was habe ich mir nur dabei gedacht? was, wenn XY passiert wäre?? oh mein gott!!!" usw usf. ich denke oft, in konditionalsätzen zu denken ist energieverschwendung.
    denn ein "hätte ich doch" ändert nichts an der situation. sie ist passiert, in dem augenblick fand ich war das die richtige entscheidung, insofern bringt es nichts, sich JETZT darüber aufzuregen. auch wenn du jetzt denkst, die entscheidung war falsch, dann kannst du dankbar für diese erfahrung sein, denn nun wirst du das nächste mal wissen, eine solche entscheidung bringt ein besch.... gedankenkarussell mit sich... hoffe, das was ich versucht habe zu sagen, ist einigermaßen verständlich über die bühne gegangen :D

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