Mittwoch, 10. Dezember 2014

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Der Meterzehn, der durch unser Haus wuselt, hat gerade die Weltraumphase. Sonne, Mond, Sterne, Weltraum - die Eltern unter euch kennen das bestimmt.
Die großartigen Bilder, die Alexander Gerst zur Erde geschickt hat, waren eine echte Fundgrube, und auch mit diesem Marspanorama wurde häufig gespielt. Kommentar der Kleinen: „Oh überall Sand. Da kann man bestimmt direkt aussteigen und losspielen.“
Von der Erklärung, dass das leider nicht so leicht möglich ist, kamen wir relativ schnell auf die Mondlandung, und wer denn der erste Mensch auf dem Mond war.

Ich: „Neil Armstrong. Ein Mann aus Amerika.“
Sie: „Aha! Und wer war die erste Frau?“
Ich: „Da war noch keine.“
Sie: „Doof, aber dann kann ich das ja werden.“
Nachdenkpause
Sie wieder: „Frauen können doch Astronaut werden, oder?“
Ich: „Ja klar.“
Sie: „Puh, dann ist gut. Und wer war die erste Astronautenfrau?“
Ich: „Valentina Tereschkova. Eine Frau aus Russland.“

Da ich mittlerweile raus habe, dass nach so einer Fragerunde spätestens am nächsten Tag mindestens vier oder fünf Nachbohrungen kommen, beschließe ich, mich über Valentina Tereschkova zu informieren. Da ich aktuell über kein gutes Buch zur sowjetischen Raumfahrt verfüge (Empfehlungen gern in die Kommentare), musste Frau Google herhalten.
Und da nahm das ganze für mich erst seinen Lauf.

Neben dem üblichen Wikipediaeintrag fand ich auch zwei Artikel der Zeit: einen aus dem Jahr 2012, einen anderen aus dem Jahr 2014. (Der politikkundige Leser wird den Schwan am Horizont schon erkennen.)

Der Artikel aus dem Jahr 2012, überschrieben mit „Die Kosmonautin, die für Putin kämpft“, widmet sich auch der Politikkarriere der ehemaligen Kosmonautin. In einem recht sachlichen Überblick darüber, wie es dazu kam, dass ausgerechnet eine Arbeiterin und Hobbyfallschirmspringerin für einen Orbitalflug ausgewählt wurde, findet selbstverständlich auch die propagandistische Wirkung des Unternehmens seinen Raum. Tereschkovas Flug fand am 16. Juni 1963 statt, in einer Zeit, in der das sowjetische Weltraumprogramm dem US-amerikanischen noch um Lichtjahre voraus war. Selbstverständlich war die Botschaft, ausgerechnet eine einfache Arbeiterin ins All zu schicken, wohl überlegt.
Der zweite Teil des Artikels widmet sich dann der Tatsache, dass Frau Tereschkova mittlerweile für die Partei „Einiges Russland“ in der Duma sitzt. (Die Zeit schreibt hier „ausgerechnet“ und spielt damit wohl den Gegensatz zwischen Tereschkovas Funknamen „Möwe - als Freiheitssymbol - und die Innenpolitik Putins an.)

Der zweite Artikel stammt aus dem Mai 2014, also einer Zeit, in der das Wort „Putinversteher" längst zum Schimpfwort geworden ist. Dieser Artikel eröffnet mit den technischen Schwierigkeiten der orbitalen Raumfahrt, die 1962 ungleich größer waren, als heute.
Der erste Sekretär Chruschtschow ruft dort „aufgekratzt“ in einen Telefonhörer, während Tereschkova „eingequetscht, verkabelt und behelmt“ die Erde umkreist. Das Bild der Hündin Laika will mir nicht aus dem Kopf.
Und dann geht es richtig los: Frau Tereschkova aus „westlicher Sicht“ verstehen zu wollen, sei „wie gegen eine Wand zu laufen“. (Arme ahnungslose Autorin ...) Valentina Tereschkova ist für die Verfasserin, Nina Pauer, nicht mehr als eine Marionette, die ausschließlich der sowjetischen Propaganda dient. Allein die körperliche und mentale Leistung eines Kosmonauten ist in den Zeiten eines sich anbahnenden neuen kalten Krieges wohl keiner großartigen Erwähnung mehr wert. War ja immerhin eine Russin und damit per se eine Putinversteherin. In der Schilderung ihrer späteren Politikkarriere wird von Tereschkova dann nur noch als der „feisten russischen Rentnerin“ gesprochen, die ohne „erkennbare eigene Agenda“ vor sich hin altert.

Spätestens hier kriege ich das Kotzen und wünsche der Autorin zwei, drei gesegnete Parabelflüge und ein paar Runden in der Zentrifuge.
Aber spätestens seit Max Uthoff und Claus von Wagner wissen wir, dass auch und gerade von der Zeit nichts anderes mehr zu erwarten ist.



Ich für meinen Teil freue mich jetzt einfach weiter an der unschuldigen Begeisterung unserer Tochter für den Weltraum. Kirk Ende!

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