Montag, 12. Januar 2015

Ich will Geduld! Sofort!

I've got the Blues, baby. Und zwar so what from, völlig unabhängig von dem, was gerade so in der Welt passiert. Es gibt andere, die können sich da wesentlich bessere Gedanken machen, als ich im Moment.
Mein Leben besteht derzeit aus Warten. Lähmendem, quälendem, kräftezehrendem Warten.

Nachdem 2014 für mich ein sehr einschneidendes Jahr war, in dem eine unglaubliche Menge für mich passiert ist und das im November einen neuen Klinikaufenthalt mit sich brachte, warte ich jetzt eben.
Ich warte auf einen Abschlussbericht der Klinik, ich warte auf einen Termin beim Amtsarzt, ich warte, dass ich meinen Tagesablauf endlich wieder so hinbekomme, wie ich es tief in mir drin möchte.

Ja klar, es gibt jeden Tag kleine Fortschritte. Gestern zum Beispiel ist es mir gelungen, trotz einer völlig durchwachten Nacht am Nachmittag noch vor die Haustür zu gehen. Jippieh! Ich habe es gerade geschafft, die Wohnung zu staubsaugen (Staub zu saugen? Wurst!).

Und trotzdem kommt da immer wieder diese kleine Stimme, die mir sagt: "Martin, das war doch nichts. Du musst noch mehr schaffen. Viel mehr und viel schneller." Und ich kann euch sagen: Diese Stimme nervt. Und sie macht mich müde. Und sie hat so viele Namen: Ungeduld, Selbstzweifel, Selbstmissachtung, Selbstverletzung, Qual. Wenn ich sie nur abstellen könnte!
Leider funktioniert das Abstellen nur sehr bedingt. Jedesmal, wenn es mir für einen gewissen Zeitraum gelingt, kommt diese kleine Scheißerin wieder zurück und schreit mich dann um so lauter an: "Ey, Arsch! Was fällt dir ein, mich zu ignorieren!"

Bleibt also nur der Dialog mit dieser Stimme, diesem Selbstanteil. Meine Art von Dialog ist derzeit ein kleines Tagebüchlein, in dem ich jeden Tag einige Dinge versuche zu notieren, die mir gut getan haben.
Das fällt mir schwer genug, weil es ein bewusster, anstrengender Schritt gegen all meine Mechanismen und Verhaltensmuster ist. Aber, dass ich mir hier gerade Luft gemacht habe, gehört definitiv dazu.

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