Donnerstag, 12. März 2015

Ein Gespräch, das mich tief bewegt hat

Am letzten Wochenende hatte ich mit unserer vierjährigen Tochter ein wenig Zeit in Koblenz verbracht.  Bei herrlichem Wetter sind wir zur Seilbahn gelaufen, um oben auf der Festung den Spielplatz unsicher zu machen.

Auf dem Weg vom Zentralplatz zur Seilbahn kommt man am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz vorbei.

Sie (rennt los): Papa, was sind das für Felsen?
Er (prustet ahnungslos hinterher)

Die kleine Merkt, dass dieser Platz etwas besonderes ist, zumal überall an den Gittern Fotos und schwarze Tücher hängen. Ich weiß genau, was jetzt kommt und suche fieberhaft nach einer Erklärung.

Sie: Papa? Das ist kein Spielplatz, oder? Was sind das für Bilder? Und warum hängen da Tücher?

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Kindern, wenn sie fragen mit der Antwort "Das musst du noch nicht wissen!" keinerlei gefallen tut. Aber so gar keinen. Also ergab sich, mitten im Mahnmal stehend, das folgende Gespräch.

Er: Also, wenn wir etwas miteinander entscheiden wollen, das uns alle angeht, dann machen wir einen Familienrat, oder?

Sie: Genau, und dann darf ich was sagen, und du und die Mama. Und dann überlegen wir.

Er: Genau so. Ganz früher gab es aber in Deutschland einmal eine Zeit, in der die Menschen in der Regierung ...

Sie: Was ist das?

Er: Du weißt doch noch, als wir zur Wahl gegangen sind, weil Mama sich in den Gemeinderat wählen lassen wollte. Sozusagen die Dorfregierung, oder der Familienrat für Wassenach.

Sie: Ja klar.

Er: Also, es gab mal eine ganz schlimme Zeit, als die Leute in der Regierung Angst davor hatten, dass alle Menschen ihre Meinung gesagt haben, um dann gemeinsam darüber zu entscheiden. Und die, die trotzdem ihre Meinung gesagt haben, die kamen ins Gefängnis.

Sie: Sind das die auf den Bildern an den Gefängnisgittern hier?

Er: Ja

Wohlwissend, dass dieses Gespräch noch nicht zuende ist, wir aber bereits wieder in Richtung Rhein unterwegs sind, denke ich angestrengt nach, was jetzt kommen könnte.

Sie: Papa, wann war diese Zeit?

Er: Die Zeit war vorbei, als der Opa Hansi fast so alt war wie du. Drei Jahre.

Sie: Musste der Opa Hansi da auch ins Gefängnis.

Er: Nein, zum Glück nicht.

- lange Nachdenkpause -

Sie: Du Papa, ich will nie mehr, dass so eine Zeit nochmal kommt. Ja?


Ich bin ob dieses scheinbar simplen Wunsches immer wieder fasziniert und werde mein bestes tun, ihn zu erfüllen. Versprochen!

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