Dienstag, 5. Mai 2015

To a nerd!

Juna warf ja letztens diesen Tweet in die Runde
Erwartungsgemäß erhielt sie darauf ein buntes Spektrum faszinierender Reaktionen, unter anderem einen offenen Brief von Rainer.
Obwohl das Thema Lehrer und Schule bei mir gerade nicht wirklich gut besetzt ist, hat Rainers Post mich motiviert, mal ein paar Gedanken aufzuschreiben, die ich meinem langjährigen Klassenlehrer nie persönlich sagen konnte:



Lieber Herr Minnema,
ich weiß, dass Sie diesen Brief nicht mehr lesen können. Da sie aber zeitlebens ein tiefgläubiger Mensch waren, gehe ich davon aus, dass sie davon ausgehen, dass ich ihnen diese Zeilen irgend eines hoffentlich noch sehr fernen Tages einmal persönlich sagen kann. Wer weiß.

Sie waren unser Klassenlehrer von der 5 bis zur 10 am Görres-Gymnasium in Düsseldorf. Keine Ahnung, wie Sie das hingebogen haben, üblich ist ja etwas anderes.

Seit dem Tag meiner Einschulung am Görres waren sie dieser komische Nerd, der Anfang dreißig im Lodenmantel rumlief, Fagott spielte und lange vor allen anderen an Computern rumschraubte. Dazu waren sie ein begeisterter Wanderer. Alles in allem waren sie das, was man früher Faktotum oder Original nennt - das, was man mal Nerd genannt hat, bevor das Hip wurde.

Ach ja, Modelleisenbahnfreund waren sie auch noch. Coole Sache.

Ich weiß nicht, ob sie der beste Mathelehrer waren, den ich kriegen konnte. Mit Sicherheit nicht. Dazu waren sie zu nachsichtig und lieb mit unserer Scheißklasse. Denn ja, auf dem Mobbingauge waren sie blind. Oder vermutlich unerfahren. Aber als Außenseiter hat mir immer irgendwie imponiert, wie konsequent Sie ihr eigenes Ding gedreht haben.

Vor allem haben sie es hinbekommen, jede, wirklich jede Exkursion für uns genehmigt zu bekommen. Dazu haben sie sich den Stress angetan, jedes Jahr mit uns auf Klassenfahrt zu fahren. Welcher Direktor macht so etwas heute noch mit? Unterricht findet doch nur im Klassenraum statt ...

Vermutlich haben sie mich mit ihrem Verständnis von Unterricht ein für allemal für die Paukschule verdorben ... ;) Typen wie sie hätten es im heutigen Schulsystem sicherlich noch viel schwerer als damals. Deshalb bin ich froh, dass ich sie kennen lernen durfte.

Beste Grüße in welches Paradies auch immer
Martin Ingenhoven

Kommentare:

  1. Danke, Martin, für den rührenden und wertschätzenden Brief, den Du geschrieben hast.

    Ich finde es bezeichnend, dass uns gerade die Menschen positiv beeinflussen, die so gar nicht in das System passen wollen. Und so sehe ich die Tragik in Deinem wahren Satz: "Typen wie Sie hätten es im heutigen Schulsystem sicherlich noch viel schwerer als damals."

    Die Idee, aus der Frage nach dem Anschreiben der Lehrer eine Blogparade zu machen, finde ich großartig. Mal sehen, ob ich das nach meinen eigenen Briefen (2 Adressen habe ich jetzt!) noch hinbekomme!

    Auf jeden Fall extra-herzliches Danke (auch an Rainer), dass Ihr den Tweet auf diese Weise aufgegriffen und verarbeitet habt!

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    1. Hej, Juna,
      danke für deinen Kommentar und danke für deinen faszinierenden Tweet. Wenn du die Blogparade hinbekämest, würde mich das freuen. Wenn du magst, kann ich sie aber auch hier starten. Aber das ganze hast ja du ins Rollen gebracht, deshalb wollte ich da nicht vorgreifen.

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